Gold/Goldaktien – der Preisverfall geht weiter!!!

Jetzt ist es fast ein Jahr her, dass ich nach zuvor 7 jährigem Daueroptimismus und einer Versiebenfachung des Preises Gold als „Verkauf“ eingestuft habe.

Damals sagte ich einen Kursverfall von 1710 $ auf 1200 $ innerhalb von 3 – 18 Monaten voraus. ( den Artikel können Sie hier noch einmal nachlesen https://www.wirropedia.de/goldhausse-beendet/ )

Diese Prognose erschien vor einem Jahr zwar gewagt, aber – sie war „goldrichtig“…der Preis ging in der Tat innerhalb von ca. 8 Monaten von 1710 $ auf 1180 $ `runter. Fast eine Punktlandung…

In den letzten Monaten konnten sich die Notierungen dann etwas erholen und ein bisschen Optimismus kehrte zurück – bzw. der noch immer vorhandene Optimismus verstärkte sich.

Und nun? Wie geht es mit dem Goldpreis weiter?

Für mich ist die Antwort recht klar:

Der Preis wird sinken – und zwar deutlich!!!

Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass das nicht die Prognose ist, die viele gerne hören. Was wiederum jedoch auch ein Grund dafür ist, dass sie vermutlich richtig ist!

Viel Kritik

Als ich vor einem Jahr Gold als Verkauf einstufte, musste ich mir eine Zeit lang doch sehr viel Kritik anhören. Denn immerhin galt Gold im Allgemeinen als der letzte sichere Hafen im Sturm der Finanzmärkte. Und diesen Hafen einfach so zu schließen, brachte mir sehr viel Widerspruch.
Was logisch war, denn Gold war damals als Fluchtwährung weltweit anerkannt. Und wenn dann einer daher kommt und behauptet, die Boote in dem sicheren Hafen liegen auch bald auf dem Trockenen, dann möchte man das weder hören und vor allem nicht glauben.

Verschwörungstheorien

Und heute? Wie ist die Stimmung heute dem Gold gegenüber? Im Vergleich zum letzten Jahr sind in jedem Fall einige größere Banken etc. von der Longseite abgerückt und haben ihre Kursziele erheblich gesenkt. D. h., der extreme Optimismusüberschuss, der vor Jahresfrist vorherrschte, ist so nicht mehr vorhanden. Zumindest „offiziell“ nicht.
Jedoch – bei vielen Anlegern sieht das noch ganz anders aus. Vor ein paar Tagen erst habe ich ein paar Kommentare zum Goldpreis in diversen „Goldforen“ gelesen. Und – ich war sehr erstaunt!

Erstaunt u. a. aufgrund der vielen Verschwörungstheorien bzgl. des „niedrigen“ Goldpreises!

Die Stimmung in Anlegerforen kann natürlich nicht 1 zu 1 auf den Durchschnitt aller Anleger übertragen werden, aber es ist in jedem Fall ein sehr guter Indikator.
Saldiert könnte man die dort vorherrschende Anlegerstimmung in etwa so beschreiben:

Man ist long im Gold und denkt, der Preis müsste astronomisch steigen bzw. „eigentlich“ schon gestiegen sein. Aus den gleichen Gründen, die schon seit Jahren dafür herhalten müssen.
Aber in Wirklichkeit ist der Preis gesunken!
Da der Mensch dazu neigt, die Schuld bei anderen zu suchen, wurde hier schon seit geraumer Zeit versucht, die Schieflage mit diversen Verschwörungstheorien zu erklären.
Zum einen sind es die bösen Notenbanken, die angeblich den Kurs drücken. Dann natürlich die JP-Morgen Story, in der die Bank angeblich schon das gesamte Ford Knox Gold leerverkauft hat. Über allgemeine Enteignung wird spekuliert, den neuen Goldstandart etc…

Das Fazit des Ganzen ist sehr einfach – aber auch fatal.

Denn die Anleger denken auf diese Weise, sie liegen weiterhin richtig!!! Ihre aktuelle Schieflage schieben sie z.B. den Notenbanken zu, bleiben aber ihren Positionen treu.

„es ist völlig egal, warum man schiefliegt!“

Das Problem ist doch: es ist völlig egal, warum man schiefliegt!
Es ist auch völlig egal, ob es tatsächlich „böse Mächte“ sind, die den Goldpreis drücken. Es gibt an der Börse immer nur eine Wahrheit. Entweder man liegt richtig – oder man liegt falsch. Das WARUM ist völlig belanglos.

Wenn aber tatsächlich Anleger noch immer denken, Gold ist bei 1300 $ billig und ihre aktuellen Verluste seien nur vorrübergehend, dann wird das WARUM jedoch sehr bedeutend!
Denn, so wie ich es sehe, muss man verkaufen, wenn man falsch liegt. Wenn man aber falsch liegt und sich einreden lässt, dass man ja „eigentlich“ richtig liegt – ja, dann verkauft man eben nicht. Und dann wird vermutlich aus einer bestehenden kleinen Schieflage in Zukunft eine sehr Große!

1300 $

Aktuell notiert Gold um 1300 $. Auch aus meiner Sicht kann es jederzeit – aus welchen Gründen auch immer – 50 oder100 $ zulegen. Oder auch mehr. US-Haushaltsstreit, US-Staatspleite, WARUM auch immer…aber dann?

Aus heutiger Sicht ist ein nachhaltiger Anstieg des Goldpreises für mich nur sehr, sehr schwer vorstellbar. 1300 $ ist ein historisch extrem hoher Preis!
Und – wir befinden uns mitten in einer sehr schweren Goldbaisse! Warum sollte die jetzt beendet sein? Wo doch viele Anleger noch immer von steigenden Preisen überzeugt sind!?

Preise an den Börsen werden nie durch Nachrichten gemacht – immer nur durch handelnde Menschen. Sie können das gerne selbst überprüfen. Fragen Sie ruhig in Ihrem Bekanntenkreis nach. Kennen Sie Leute, die bereit sind, demnächst hohe Summen in Gold zu investieren? Ich nicht! Ich kenne nur Leute, die A) entweder schon draußen sind, oder B) Leute, die noch drin sind und auf höhere Preise hoffen, oder C) Anleger, die sehr langfristig Gold als Sicherheitsreserve gekauft haben und auch bei fallenden Preisen am gelben Metall festhalten wollen. Eine Gruppe D), die bereit ist, Gold netto anzukaufen ist unter Privatanlegern kaum zu finden. Ein paar kleinere Notenbanken vielleicht …

Die Gruppe A steigt möglicherweise noch mal in den Markt ein – jedoch vermutlich nur mit einer begrenzten Kurserwartung. Logisch – würde diese Gruppe noch immer auf 2 -3 Tsd. $ hoffen, wäre sie gar nicht erst ausgestiegen, sondern hätte festgehalten und jetzt nachgekauft.
Der Gruppe B wird es dagegen mit jedem Tag, an dem Gold nicht zulegt, immer ungemütlicher und dort wird mit der Zeit immer öfter die Reißleine gezogen.
Die Gruppe C wird vermutlich auch verkaufen, jedoch erst ganz zum Schluss der Baisse.
Und die angeblichen Käufe von diversen Notenbanken (Gruppe D) würde ich nicht überbewerten – Notenbanken kaufen historisch eher zu hohen Preisen und verkaufen auch zu Tiefstkursen – wie zuletzt gesehen Ende der 90er und in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends.
Natürlich kann und wird es immer eine noch unbekannte Gruppe „X“ geben, die in Zukunft – warum und in welche Richtung auch immer – den Markt beeinflussen kann.

Jedoch – wenn man diese Gruppen zu einem Zeitpunkt saldiert, an dem Gold noch immer extrem teuer ist, erscheinen nachhaltig steigende Preise von dem aktuellen Niveau aus nahezu unmöglich zu sein.

Nichts ist unmöglich – das ist mir natürlich auch bewusst, aber jeder muss an den Börsen Entscheidungen treffen. Und Entscheidungen an den Börsen beinhalten wie üblich Risiken.

Meine Entscheidung ist heute die gleiche wie vor einem Jahr:

Ich bin der Meinung, dass der Goldpreis weiter sinken wird! Ich erwarte Kurse von zunächst unter 1000 $ pro Unze innerhalb von 2 – 8 Monaten! Das Risiko eines sinkenden Goldpreises steigt bei Werten unterhalb von 1250 $ nochmals erheblich an.

Als „Stop“ für meine Meinung notiere ich mir heute Werte von ca. 1450 – 1500 $. Ab diesem Niveau bin ich bereit meine Prognose zu ändern.

Chance

Ich bin mir bewusst, dass die meisten Anleger nur auf steigende Kurse setzen – und somit auch stets auf selbige hoffen. Ich persönlich setze dagegen auf steigende UND sinkende Kurse. Die Chancen und Risiken sind zwar die gleichen, man hat aber mehr Möglichkeiten. Und durch das Wegfallen des permanenten Hoffens auf gute Zeiten schärft sich m. M. n. zusätzlich der Blick für die Realität.
Es ist völlig ohne Bedeutung, ob Kurse steigen oder sinken. Es ist auch ohne Bedeutung, ob es gerade Sommer oder Winter ist. Man passt sich eben an – im Winter den Mantel, im Sommer das T-Shirt – logisch, das macht jeder!
An den Börsen hingegen haben die meisten Anleger auch dann noch ein T-Shirt an, wenn der erste Schnee bereits gefallen ist – und das führt zwangsläufig zu diversen Erkältungskrankheiten…

Daher sollte man, wenn man meiner Prognose folgt, die Möglichkeit sinkender Goldpreise (oder Goldaktien, siehe weiter unten) nicht als Bedrohung ansehen, sondern vielmehr als Chance! Ein Kursrückgang von z. B. 1300 $ auf z. B. 950 $ bringt dann eben ca. 27 % Plus. Und wenn der Preis doch auf z. B. 1450 $ ansteigt hat man eben 10 % „Miese“ gemacht – ohne Risiko, kein Gewinn!

In Zeiten, in denen Renditechancen rar sind, ist ein evtl. weiterer Rückgang des Goldpreises in jedem Fall eine Gelegenheit.

Goldaktien

Bei Goldaktien sieht es leider noch viel schlechter aus. Zumindest dann, wenn meine Prognose eintrifft. Goldaktien waren schon vor einem Jahr für mich das „Riskanteste Asset 2013“…mit Recht, denn Goldaktien haben schon ca. 50%!!! an Wert verloren. Sollte der Goldpreis unter die Marke von 1000 $ abrutschen, so erwarte ich für Goldaktien potentiell eine weitere Halbierung! Und selbst dann wären sie kein Kauf. Ich habe es schon öfters beschrieben und bleibe vorerst bei dieser Meinung.

Noch mal in Kürze: viele Goldminen – auch sehr große – sind bei Goldkursen unter 1000 $ ernsthaft in ihrer Existenz bedroht.
In den Jahren der großen Goldhausse gab es einen regelrechten Wettbewerb der Firmen um Größe und vor allem um Schürfrecht und Goldvorkommen. Da wurde jeder Acker aufgekauft, wenn er nur leicht in der Sonne glitzerte. Es wurden also Milliarden in solche „Flächen“ investiert. Fällt der Goldpreis jetzt unter einen bestimmten Level, so werden diese Milliarden-Buchwerte urplötzlich wertlos. Das dürfte z. B. geldgebenden Banken nur bedingt gefallen. So sind Zwangsliquidationen nur eine Frage der Zeit. Oder die betroffenen Minen müssten sich mit zahlreichen Kapitalerhöhungen frisches Geld besorgen. So könnten vermutlich einige gerade noch überleben – jedoch um den Preis von deutlich sinkenden Aktiennotierungen.

Fazit:

Auch für Goldaktien sind das keinesfalls erfreuliche Aussichten, wenn der Goldpreis tatsächlich sinkt! Sollte er jedoch nicht sinken, sondern sich halten oder leicht zulegen, so sieht es m. M. n. ebenfalls nicht rosig aus. Denn außer einem Rebound sollte da vorerst nicht viel geschehen. Denn auch auf dem aktuellen Niveau sind Goldaktien mit einem erwarteten KGV von über 15 keinesfalls billig.

Steigende Kurse

Gute Aussichten?

Ich bin mir bewusst, dass die meisten Anleger lieber auf steigende Kurse setzen. Doch wann, wo und wie kann es die in meinem Szenario geben?

Ganz einfach – es werden neue Goldminen entstehen, die mit frischem Kapital und ohne Altlasten arbeiten. Diese neuen Minen könnten in den nächsten Jahren – „wenn der Goldpreis stimmt“ – spottbillig oder gar fast umsonst an umfangreiche Goldlagerstätten gelangen, die von den Altfirmen nicht mehr kostendeckend betrieben werden können.

Das funktioniert dann ungefähr so: die Goldmine XY kaufte in der Euphorie ein riesiges Goldvorkommen für z. B. 5 Mrd. $. Diese riesigen Kosten fließen natürlich in die Produktionskosten ein, d.h. ab einem gewissen Goldpreis ist die Fläche für den Betreiber wertlos und er geht Konkurs. Ein neuer Bieter kauft dann das gleiche „wertlose“ Gelände für den berühmten „Appel und `n Ei“…
Der neue Besitzer produziert dann einfach auf dem gleichen Gelände – nur wesentlich günstiger! Diese neuen Goldminen könnten dann wie die Phönixe aus der Asche steigen und enorme Gewinne machen.

Und – ganz wichtig: das zeigt auch, dass das ewige Argument, das im Falle eines Absinkens des Goldpreises die Produktion deutlich zurückgehen MUSS einfach nicht der Wahrheit entspricht!
Wenn überhaupt, wird sie nur im Transformationsprozess ein wenig durch diverse Stillstände sinken. Das ist vergleichbar mit dem Konkurs von General Motors. Die Firma ist auch nicht verschwunden. Es wurden auch nicht weniger Autos produziert. Es wurden nur die Schulden getilgt und die Besitzer gewechselt. Und so macht GM jetzt mit der gleichen Produktion statt hoher Verluste hohe Gewinne!

Also „eigentlich“ doch alles kein Problem!?

Da stellt sich nur die Frage:

Wie gerne wären Sie damals Altaktionär von GM gewesen?

Die gleiche Frage sollte man sich bei den aktuellen Goldaktien stellen. Wie gerne ist man hier Aktionär, wenn der Goldpreis in der Tat nicht nachhaltig steigen sollte?

Daher bleiben auch Goldaktien für mich ein sehr heißes Eisen, zumindest auf der Longseite.

Auf der Shortseite könnte es dagegen anders aussehen…

…wenn der Preis stimmt!

Na dann – wir werden sehen. Vor einem Jahr war die Prognose ein Volltreffer. Das MUSS diesmal nicht so sein, KANN aber…und darauf setze ich.

Und sollten die Preise dennoch steigen, können wir unsere Meinung jederzeit ändern…aber aktuell glaube ich an diese Möglichkeit nicht…

Henry Littig

Geschrieben von Henry Littig