Das Problem Russland,

oder

…wieso der Ölpreis kurzfristig nicht steigen kann, der Westen freie Wahlen in Russland aktiv behindert, ein Atomkrieg wahrscheinlicher ist als in der Cuba-Krise und – am langen Ende – der russische Aktienmarkt vermutlich ein Kauf ist!

Die Antwort auf die Börsenfragen ist einfach…..

…..aber um diese zu beantworten, müssen wir uns leider zunächst durch einige unliebsame Realitäten quälen. Daher habe ich mir die Mühe gemacht, die gesamte Russland-Problematik aus meiner ungefilterten und möglicherweise realistischen Sicht zu betrachten. Dass diese Sicht zum Teil als stark Pro-Russisch bzw. zum Teil auch als stark Pro-Westlich angesehen werden kann, liegt in der Natur der Sache. Realismus ist eben nicht einseitig…

Droht jetzt die unvermeidliche Entscheidung im Ost-West-Konflikt oder gibt es noch Wege aus der Krise?

-Die Lage

Der neue, kalte Krieg zwischen Russland und der westlichen Welt ist in vollem Gange. Und nicht nur das.

In Wahrheit befinden sich die NATO und Russland schon jetzt in der Ostukraine im Kriegszustand! Weitere Eskalationsstufen sind jederzeit möglich und ein Ende ist völlig offen.

-Aktuelle Situation – aus Sicht des Westens

Die aktuelle Krisensituation mit Russland kennt aus Sicht westlicher Politiker und unserer freien Medien nur einen Namen: „Vladimir Putin“ – auch als „Problem-Putin“ bezeichnet – in Anlehnung an den bekannten „Problem-Bären Bruno“ – Sie erinnern sich…

Wie auch immer – Russland ist, wenn es nach dem Westen geht – auf jeden Fall an allem Schuld. Russland ist aggressiv , wenig verlässlich, hegt Besitzansprüche an seinen direkten Nachbarn und zögert nicht, diese bei jeder Gelegenheit auch umzusetzen. Russland sei zu einer Politik des Rechtes des Stärkeren zurückgekehrt. Von Russlands innenpolitischen Verfehlungen sollten wir gar nicht erst anfangen, geht es doch vorwiegend offiziell zunächst um die Ukraine.

Ferner wird Putin vom Westen gerne als neuer Hitler, als Diktator, als Krimineller oder zumindest als Mensch, der den Bezug zur Realität verloren hat, bezeichnet. Und das öffentlich!

Kurz gesagt und nach westlichem Strafmaß bewertet: „Da kommen schon ein paar Jährchen zusammen!“

-Aus Sicht Russlands

Russland selbst sieht sich in der ganzen Angelegenheit als Prügelknabe der etablierten Welt und ist sich selbst keiner Schuld bewusst. Es sieht vielmehr den aggressiven Westen unter Führung der USA seinerseits als imperialistisch an und behauptet, dass sich der Westen seit dem Fall der Sowjetunion an keinerlei Abmachungen hält und immer näher an Moskau heranrückt. Thema illegale NATO-Osterweiterung, etc…..

-Die realistische Sicht

Eine realistische Sicht der Lage ist sehr einfach und kann im Grunde von jedem, auch inmitten der westlichen und russischen Propaganda, nachvollzogen werden.

Leider – und das wird später sehr deutlich werden – dient eine realistische Sicht der Dinge in diesem Fall ebenso wenig der Problemlösung, wie unsere – also die westliche Sicht – oder die russische Sicht.

Aus meiner Sicht, die ich als durchaus realistisch ansehe, gibt es zunächst überhaupt kein echtes Problem. Denn für mich ist die aktuelle Lage völlig normal und – noch – unter Kontrolle. Man muss einfach nur den Realitäten ins Auge sehen, die da sind:

Der Westen, unter der Führung der USA, IST imperialistisch!
Die Sowjetunion WAR imperialistisch und Russland MÖCHTE gerne wieder imperialistisch sein. Und das ist in allen Fällen auch gut so. Denn Imperialismus ist eine natürlich Ordnung, auf deren Grundlage diese Welt nun einmal aufgebaut ist. Das kann man jetzt noch unendlich philosophisch diskutieren und erweitern, aber das würde den Rahmen sprengen.

Daher:

Die Ukraine ist letztlich nur ein weiteres, eher unbedeutendes Kapitel dieser weltweiten imperialistischen und somit völlig natürlichen Politik. Und – Russland war und ist hier nie in der Offensive gewesen. Begonnen haben WIR das Ganze.

Sie erinnern sich doch? „Die friedlichen Proteste auf dem Maidan.“ Klingt gut oder?

Letztlich wurden dort die Regierungsgebäude durch prowestliche „friedliche“ Demonstranten gestürmt, die legitime Regierung vertrieben und durch eine westliche Regierung ersetzt. Wenn es eine überparteiliche Weltpresse geben würde, dann würde diese sagen:

„Dies war ein illegaler und gewaltsamer Putsch und ein Bruch des uns selbst ja so heiligen Völkerrechts und wir erkennen diese Regierung nicht an.“

Aber diese Presse gibt es nicht, also heißt es bei uns:

„Die friedlichen Demonstranten des Maidan haben sich friedlich und völlig unabhängig zum Wohle der Ukraine durchgesetzt.“

Das Ergebnis: WIR, also der Westen hat die Hälfte der Ukraine – seit jeher unbestritten russisches Einflussgebiet – „im Sack“.

Da sah Russland verständlicherweise seine Felle davonschwimmen und annektierte kurzerhand die Krim – sogar unterstützt mit einer „Art Volksabstimmung“.
Und im Osten der Ukraine? Das gleiche Bild wie zuvor im Westteil. Zunächst gab es die gleichen „friedlichen Demonstrationen“; anschließend wurden die Regierungsgebäude gestürmt, die Regierungen abgesetzt und durch moskautreue Leute ersetzt. In etwa das Gleiche wie zuvor im Westteil.

Russland konnte somit zum 1:1 ausgleichen. Und es war exakt der gleiche Spielzug. Natürlich wird das in unserer Presse logischerweise anders dargestellt. Und es gibt natürlich in der Tat Unterschiede – aber die gibt es immer. So unterstützt das böse Russland zum Beispiel die bösen prorussischen Separatisten immer mit genau so viel Waffen und Soldaten, dass diese sich in der Ukraine behaupten können und auch werden.
Im Gegenzug unterstützt der gute Westen die guten prowestlichen Kräfte in Kiew mit milliardenschweren Finanzzahlungen und Wirtschaftsleistungen, ohne die das Land schon längst Pleite wäre und einen Offenbarungseid gegenüber Russland leisten müsste.

Realistisch gesehen, sind also beide Kräfte, also Ost und West exakt gleich böse bzw. gut. Daher gibt es auch aktuell gar kein Problem. Die Ukraine ist besiegt und wurde aufgeteilt…

Jedoch wird diese Feststellung nichts zur Beilegung der „offiziellen“ Krise beitragen. Denn die Ziele liegen außerhalb der Ukraine.

-Worum es überhaupt geht:

Die Ukraine ist nur der Vorbote des großen Showdowns!

In einem hat der Westen übrigens Recht. Natürlich träumt Herr Putin – auch ein Hauptvorwurf des Westens – von einem Neurussland, vom Wiedererlangen alter Besitzansprüche. Aber das ist doch nur normal und höchst natürlich. Wovon sollte er auch sonst träumen? Von einem Russland, das immer mehr an Einfluss verliert? Es bedarf ja schon bei der üblichen westlichen Darstellung der Lage eines Höchstmaßes an Naivität, um dem Ganzen beizupflichten. Aber öffentlich von Russland zu verlangen, sich mit den Randstücken zufrieden zu geben, während wir uns mit Volldampf die besten Stücke des Kuchens einverleiben, ist schon sehr ambitioniert.

Und somit sind wir schnell beim eigentlichen Problem der Ukraine Krise. Russland will unbedingt ein weiteres Schrumpfen seines Einflussgebietes verhindern und dieses, falls möglich, erneut ausbauen. Logisch und natürlich. Und dafür braucht man zumindest einen Teil der Ukraine als politische und militärische Pufferzone.

Und wir? Der Westen, also die aktuell dominierende Weltmacht, möchte sich ebenso weiter ausdehnen. Das aktuelle Ziel dürfte zunächst der Westteil der Ukraine, gefolgt von evtl. Weißrussland und schließlich Russland selbst sein. Und wir sollten eines nicht vergessen: die Ex-DDR, Polen, die 3 baltischen Staaten, Tschechien, Bulgarien, Ungarn, etc. haben wir schon überrannt und assimiliert.

Natürlich wollen wir Russland nicht erobern…wir wollen es kaufen! Und letztlich in unserem Sinne missionieren. So wie die anderen Staaten zuvor auch. Und auch daran gibt es nichts zu kritisieren. Warum auch? Wenn wir uns erst einmal in einem Land festgesetzt und unser System installiert haben, brechen dort in aller Regel goldene Zeiten an. Selbstverständlich kann es in der Übergangsphase zu Chaos und/oder Zerstörungen kommen, aber auch dann gilt: je mehr in der Übergangsphase zerschlagen wird, umso mehr kann nachher wieder aufgebaut werden. Denn Erneuerung alter Substanz ist ein Grundpfeiler unserer Wirtschaft.

Die Ukraine-Krise ist also nichts weiter als eine Fortsetzung des alten Ost-West-Konfliktes, der spätestens nach Ende des zweiten Weltkrieges seinen Anfang nahm. Und enden wird dieser Konflikt wohl erst, wenn der Westen auch Russland erobert hat. Oder andersrum.

-Die Ukrainer sind die Leidtragenden

Das ukrainische Volk hat aktuell die größte Bürde zu tragen. Die Menschen im Westteil merken langsam aber sicher, dass sie für den Westen nur ein Transitland Richtung Moskau sind und die Menschen im Ostteil werden auch noch einsehen, dass sie bei der Verteilung russischer Investitionen sicher nicht ganz oben auf der Liste stehen. Dazu herrscht Bürgerkrieg und vermutlich hatte man sich das Ganze zu Beginn auf dem Maidan sicher anders vorgestellt.

-Wer hat Schuld?

Die Schuldfrage am aktuellen Konflikt stellt sich also im Prinzip gar nicht. „Moralisch“ gesehen, haben WIR an der aktuellen Situation Schuld – denn WIR haben eindeutig mit der Eroberung von Kiew angefangen. Aber Schuld, Moral oder Wahrheit haben in der Bewertung von solchen Angelegenheiten keinen Platz. Begriffe wie Moral, Schuld und Wahrheit sind Erfindungen von Philosophen – in der Natur kommen sie nicht vor. Denn dort gibt es nur eine Regel: das Recht des Stärkeren. Und genau das nutzt der Westen, um immer näher gegen Moskau vorzurücken. Selbstredend werfen wir genau das gleiche Russland vor – obwohl diese nur von ihrem Recht der Verteidigung mit allen Mitteln Gebrauch machen.

-Was ist noch zu beachten?

In der ganzen Angelegenheit sind viele internationale Machtstrukturen zu bewerten. Da sind zum einen die USA. Als noch immer Weltmacht Nr. 1 werden die USA mit ihren Verbündeten wohl eines Tages mit China aneinandergeraten. Doch das wird noch etwas dauern. Denn noch brauchen wir China, um unseren Wirtschaftsmotor auf Drehzahl zu halten. Da erscheint Kooperation günstiger als Konfrontation.

Günstig wäre es natürlich, wenn Russland näher an Europa rücken würde. Ein Weg, der grundsätzlich von Europa unterstützt wird. Dies könnte uns im Endkampf um die globale Macht einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem aufstrebenden asiatischen Gegner verschaffen.

Die USA selbst befinden sich aktuell leider in einer sehr schwierigen Lage. Eine Annäherung Russlands an China – so wie es gerade geschieht – können sie sich eigentlich nicht leisten, aber eine zu rasche und vor allem vertrauliche Zusammenarbeit Russlands mit Europa ist für die USA noch gefährlicher.

Warum?

Eines sollte man immer vor Augen haben. Wir in Europa sind in jedem Fall auf die USA angewiesen. Die USA sind die einzige Macht, die unsere Sicherheit garantieren kann. Europa selbst, von der Bevölkerungsstruktur her überaltert und militärisch schwach, kann sich nicht mehr selbst verteidigen. Und – trotz des immer mal wiederkehrenden antiamerikanischen Gedankenguts – muss man feststellen: in Sachen Sicherheit und Verlässlichkeit sind wir mit den USA seit Ende des zweiten Weltkrieges sehr gut gefahren.

Ein zu schneller und vor allem partnerschaftlicher Zusammenschluss Europas mit Russland könnte hier natürlich Änderungen hervorrufen, die das aktuelle Gleichgewicht aus den Angeln heben. Nach einem z. B. sofortigen Beitritt Russlands zur EU könnte der Startschuss eines extremen Wirtschaftsbooms erfolgen, der über Dekaden anhalten sollte. Gepaart mit der offensichtlichen militärischen Stärke Russlands würden in der Folge Rufe nach einer Loslösung Europas von den USA laut. Genau wie in Russland jetzt, würden dann auch in Europa neue Machtanspruchsgedanken Einzug halten. Und diese würden die USA letztlich schwächen und isolieren. Statt einer Weltmacht – den USA – würde es dann mittelfristig drei Weltmächte geben: USA, China-Asien und der Eurussische Block. An dieser Vorstellung kann Washington kein Interesse haben. Wenn die USA die Wahl haben, zwischen einem Bündnis Russlands mit China oder Europa, so würden sie wohl das mit China bevorzugen. Denn diese werden Russland letztlich nur benutzen und ausbeuten, während die Europäer eher an echter Partnerschaft und einem Aufbau Russlands in unserem Sinne Interesse haben. Und das ist für die USA ungleich gefährlicher.

So ist es recht einfach zu erklären, weshalb gerade die USA in der Ukraine-Krise nicht auf Deeskalation setzen, sondern versuchen, Russland in Richtung China abzudrängen – was aktuell auch gelingt.

Deutschland selbst sitzt derweil genau zwischen den Stühlen. Einerseits sind wir zu 100 Prozent von den USA abhängig, zum anderen würden wir am meisten von einem friedlichen Beitritt Russlands zur Europäischen Union profitieren. Daher tritt Deutschland i. d. R. gemäßigt auf und versucht „den Dialog nicht abreißen“ zu lassen.

Und China? Die sagen zu all dem gar nichts und sind der lachende Dritte. Für sie ist die US-Politik ein wahrer Segen, denn sie gewinnen durch neue Verträge mit Russland an Macht und Einfluss hinzu.

Sie sehen, es ist zwar alles recht einfach, aber zum Teil eben auch kompliziert, zumindest wenn es um eine Lösung geht, die allen gerecht wird.

-Welche Lösungen gibt es?

Wer kein Träumer und halbwegs geschichtsfest ist, der muss wissen: Eine echte Lösung gibt es erst dann, wenn eine politische, militärische, religiöse oder ideologische Macht den gesamten Planeten erobert und dauerhaft befriedet hat. Ich denke, Sie geben mir Recht, dass diese Lösung zwar eines Tages kommen mag, jedoch zeitlich weit außerhalb unserer aller Lebenserwartung liegt. Daher kommt für die aktuelle Lage nur eine Zwischenlösung in Betracht, die erreichbar sein muss und mittelfristig Bestand hat.

Doch bevor wir zu Lösungsmöglichkeiten kommen, müssen weitere Faktoren beachtet werden.

-Der Putin-Faktor

Ein entscheidender Faktor im ganzen Spiel ist der Faktor Vladimir Putin.
Realistisch gesehen, hat Herr Putin in den letzten 14 Jahren einen Riesenjob gemacht. Er hat sein Land in extrem kurzer Zeit aus der desaströsen Nach-Sowjetzeit in eine neue Ära geführt. Aller teils berechtigten Kritik des Westens zum Trotz, hat er den Arbeiter- und Bauernstaat in Rekordzeit entschuldet und die Lebensbedingungen im Land erheblich verbessert. Es wurde eine künstliche Hierarchie von Arm und Reich installiert und halbwegs für Recht und Ordnung gesorgt. Dass dieses Gebilde aus westlicher Sicht noch immer extrem mangelhaft ist, ist richtig. Aber wenn man die ursprüngliche Basis und die Kürze der Zeit ins Kalkül zieht, so ist das Ergebnis vergleichsweise beeindruckend.

Wenn man z. B. vergleicht, welche Erfolge der Westen bei der Demokratisierung von diversen Ländern verbucht hat, fällt das Urteil zwingend verheerender aus. Denn überall, wo wir zuletzt versucht haben, unsere heiligen Werte über Nacht zu installieren, sind wir aktuell auf ganzer Linie gescheitert. In Libyen, im Irak, in Syrien, in Afghanistan etc. – überall, wo wir unter guten Vorsätzen einmarschiert sind, herrschen aktuell Krieg und absolutes Chaos. OK, man kann eben nicht immer gewinnen, aber davon ist in unseren Medien verständlicherweise nichts zu lesen. Aber auf Putins Russland, was vergleichsweise gut dasteht, wird eingeprügelt, was das Zeug hält. Aber, wie schon erwähnt – Politik besteht eben nicht aus Ehre und Wahrheit. Das ist aber auch richtig so, denn mit Ehre und Anstand lässt sich nun mal kein Krieg gewinnen.

-Mobbing-Opfer Putin

Leider, aus russischer Sicht gesehen, ist Putin trotz oder gerade wegen seiner Erfolge ein Top-Kandidat für internationales Polit-Mobbing. Man kann sich das ähnlich vorstellen, wie ein klassisches Schul-Mobbing. Das Spiel heißt „Alle gegen einen“. Und, wie auch im Schulmobbing, hat das Opfer keine Chance, allein aus der Sache raus zu kommen. Bei Putin würde ich zunächst mal ein klassisches Neid-Mobbing attestieren. Denn Zar Vladimir hat alles, was all die anderen Weltpolitiker gerne hätten. Er kommt und geht wann er will, sagt was er will, tut und lässt was er will. Und das Ganze nicht in einer karibischen Bananenrepublik, sondern in einer ernst zu nehmenden atomaren Weltmacht. Ganz nebenbei konnte er sich noch ein paar dutzend Milliarden $ zusammenraffen und erfreut sich bester Gesundheit. Wenn das internationale Mobbing nicht wäre, würde wohl fast jeder Weltpolitiker gerne mit ihm tauschen.

Aus diesem Grund hat sogar das Forbes Magazin Putin zum mächtigsten Mann der Welt gewählt.

Zum Vergleich:

Der eigentlich mächtigste Mann der Welt, Barack Obama, muss für jede seiner Taten zunächst die Republikaner um Erlaubnis fragen. Die mächtigste Frau Europas, Angela Merkel, muss sogar erst Herrn Gabriel, dann die EU-Kommission und dann noch Herrn Obama um Erlaubnis fragen. Und der hat dann, wie wir gelernt haben, immer noch nicht das letzte Wort.

Und da wundern Sie sich, dass jeder von denen Putin hasst? Mich wundert das nicht…

-Mit Russland redet man anders

Sicherlich haben Sie es auch schon bemerkt, aber mit und über Russland wird international anders gesprochen, als mit anderen Staaten. Und auch das in aller Öffentlichkeit.
Von Russland wird stets gefordert, verlangt und erwartet. Russland muss liefern, muss sich bewegen, muss endlich seinen Kurs ändern. Und wenn Moskau dann tatsächlich ab und zu einen Teil der westlichen Forderungen umsetzt, dann heißt es stets: „Das war ein erster kleiner Schritt, aber das reicht noch lange nicht – da muss jetzt endlich mehr kommen.“

Diese Tatsache, des fast schon unverschämten Umgangs mit diesem Land, ist ebenso eine direkte Folge des internationalen Russland-Mobbings. Logisch – jeder Politiker eines jeden europäischen Provinzstaates kann sich auf diese Art und Weise im Fahrwasser der USA als Weltmann der Geschichte sehen und sich ebenso benehmen. Und ganz nebenbei kann man so den insgeheim beneideten Putin vom Sockel stoßen.

Wer jetzt denkt, derartige Eitelkeiten hätten keinen Einfluss auf den Verlauf der Weltpolitik, der irrt gewaltig. In der Tat sind es eher überwiegend persönliche Eitelkeiten der handelnden Personen, die den Verlauf der Welt bestimmen.

-Ist Putin gefährlich?

In unseren Medien wird Putin stets als extrem gefährlicher Mann dargestellt. Diese Meinung wird natürlich von der Bevölkerung angenommen.
Persönlich denke ich, dass man so eine Meinung realistisch nicht vertreten kann, da keiner von uns über absolute Informationen verfügt. Folgt man der üblichen Ost-West Propaganda, so scheint aus unserer Sicht die Sache klar: WIR sind die Guten und Herr Putin ist der Teufel. Und – zugegeben – der aktuell immer mehr in die Ecke getriebene Putin wird sich vermutlich immer extremer verhalten. Logisch – aber es stellt sich die Frage, wie er sich in einem neutralen Klima verhalten würde?

Und, natürlich ist Putin kein Demokrat in unserem Sinne. Das war er nie, wird er nie und wollte er auch nie sein. Und das russische Volk kann so etwas auch nicht vertragen. Es stellt sich daher die Frage, wie sich jeder einzelne von Putins Kritikern verhalten würde, wenn sie an seiner Stelle wären. Manche gefährlichen Machtmenschen werde als solche geboren, aber manche werden es auch erst durch die sie umgebenden Möglichkeiten. Und Putins Möglichkeiten sind eben im wahrsten Sinne des Wortes „grenzenlos“. Dem laut Forbes Magazin mächtigsten Politiker der Welt vorzuwerfen, er sein ein machthungriger Politiker, ist doch im Grunde lächerlich. Das ist ja fast so, als würde man dem FC Bayern vorwerfen, guten Fußball zu spielen.

Ziel in jedem Wettbewerb ist es, oben zu stehen. Und wie wir wissen, wird auch der FC Bayern dafür oft kritisiert. Und auch der FC Bayern ist gefährlich für andere Vereine. Er kauft Ihnen oft Schlüsselspieler weg und zerstört so ihren Vereinserfolg. Aber so ist das eben…..siehe aktuell Borussia Dortmund.

Und mächtige Staaten mit machthungrigen Politikern sind eben in der Regel eine Gefahr für andere Staaten. Und auch das ist eben so und so geht es seit Tausenden von Jahren. Wer also Putin entmachten will, nur weil er gerade an der Spitze eines potenziell wiedererstarkten Staates steht und sich entsprechend verhält, der muss gleichzeitig auch den FC Bayern entmachten.
Natürlich heißt es dann: „Ja, dass ist ja etwas völlig anderes,“…..ist es aber nicht…..
Denn der Neid der restlichen Liga ist im Sport und der Politik genau gleich. Und als FC Köln Anhänger weiß ich, wovon ich rede. Dennoch achte ich den Erfolg vom FC Bayern und verteufele auch nicht Vladimir P. – nur weil beide gerade an der Spitze der jeweiligen Nahrungskette stehen und versuchen, ihre Positionen zu halten bzw. auszubauen.

-Russlands eigene Fehler

Die Liste der hausgemachten Fehler Russlands ist lang. Trotz der schon erwähnten, relativen Erfolge der Regierung Putin, gibt es auch gravierende Fehler. Meine Tante sagte einmal: „Du musst immer die wählen, die schon etwas haben – denn die anderen machen sich erst noch die Taschen voll!“

Und da hat sie völlig recht.

Ich denke, in diesem Punkt hat die Regierung Putin den Bogen etwas überspannt und hat zu sehr in die eigenen Taschen gewirtschaftet. Es war zwar völlig richtig, in Russland zunächst ein finanzielles Oben und Unten zu installieren, ohne das eine Wirtschaft vermutlich nicht produktiv sein kann. Jedoch hätte man viel mehr Augenmerk auf den Auf- und Ausbau eigener Industrien legen müssen, statt sich nur auf den Aufbau einer gigantischen Anzahl von Superreichen zu konzentrieren, die den ehemaligen Staatsbesitz unter sich aufteilen.
Möglicherweise wäre der Aufbau heimischer Produktion der nächste Schritt im politischen Plan Putins gewesen. Denn auch ihm ist klar, dass der Ölexport nicht von Dauer ist. Auch der Umbau des Oligarchensystems bzw. die Verpflichtung selbiger, ihr Kapital in Zukunft mehr in Russland zu investieren, statt in Fußballspieler, wäre in Zukunft ein Thema. Es wurden zuletzt schon zahlreiche Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung ergriffen, die zumindest schon ansatzweise erste Erfolge verbuchen konnten. Änderungen im Rechts- und Steuersystem sind vermutlich in Planung.
Ich will Herrn Putin nicht zu viele, vermeintlich gute Eigenschaften zuschreiben, aber der dekorierte EX-KGB-Mann ist mit Sicherheit kein Dummkopf. Ich persönlich halte ihn sogar für hochintelligent. Und es ist ihm sehr bewusst, dass er die gerade beschriebenen Reformen umsetzen muss, um seine Macht zu festigen. Niemand kann dauerhaft gegen die Interessen und die Stimmung im Volk regieren – daher wären Reformen schon allein aus Selbstschutz dringend notwendig.

Aber – in jedem Fall war er damit nicht schnell genug.

Und weitere Zeit des wirtschaftlichen Wandels will man ihm im Westen auf keinen Fall geben. Aus einem abhängigen Russland würde so ein unabhängiges Russland – und das käme jedem westlichen Hardliner extrem ungelegen.

Wie auch immer. Russland steht aktuell völlig ohne eigene Industrie und ohne eigene Technologie da und ist somit den Kräften des Marktes völlig schutzlos ausgeliefert. Bedauerlicherweise ist Russland noch nicht einmal in der Lage, das Öl zu 100% selbst zu fördern – ohne die Hilfe ausländischer Technologie. Und die wird im Zuge der Sanktionen zunehmend knapp. Eine fatale Entwicklung für Russland.

-Der Öl-Bumerang

Diese Abhängigkeit vom Öl sowie der Umstand, dass man es noch nicht einmal selber fördern kann, wird nun zum Bumerang.

Zum Thema Öl sollte man noch erwähnen, dass die USA bekanntlich in den nächsten Jahren vom größten Ölimporteur zum größten Ölexporteur der Welt aufsteigen – u.a. dem Fracking sei dank. Dies hat jedoch gravierende Folgen! Zum einen wird sich der mäßigende Einfluss der USA im nahen Osten verringern. Logisch – früher hatte man noch ein Interesse an halbwegs stabilen Verhältnissen in dieser Region. Doch schon bald dürfte dies anders herum sein. Das dann selbst ölreichste Land der Erde hat dann eher ein Interesse an einem unstabilen nahen Osten – incl. Förderausfällen. Was, wie wir wissen, sehr einfach zu erreichen ist: man schaut einfach ein paar Monate weg – und schon bekriegen sich die vielen verfeindeten Gruppen und legen alles in Schutt und Asche.

Leider muss man sagen: Einfacher kann man eine Region nicht zerstören.

Diesen Politikwandel kann man jetzt schon erkennen. Der IS ist vermutlich so etwas wie ein Test. Man schaut nur 3-4 Wochen lang elegant weg – und schon bricht das Chaos aus und der halbe Irak ist erobert. Den IS, der natürlich eine extrem destabilisierende Kraft ist, hätte man noch vor 5 Jahren niemals so groß werden lassen. Dies hat sich jetzt geändert. Natürlich hat man auch in den USA aktuell noch kein Interesse an einem kompletten Chaos in der Region. Denn dies würde den Ölpreis zunächst wieder steigen lassen. Und damit fällt die wichtigste Waffe des Westens gegen Russland weg.
Das bedeutet also, dass die Nahost-Strukturen von den USA noch mindestens so lange aufrecht erhalten werden, bis man Russland in die Knie gezwungen und der Westen dort eine uns ergebene Regierung eingesetzt hat. Oder zumindest genug Zeit bekommt, es zu versuchen.

Und auch die Saudis haben ein Interesse an niedrigen Ölpreisen. Denn je höher der Preis notiert, umso schneller werden die USA ihr Öl selbst fracken. Und dann, wie gesagt, lässt das Interesse der USA an der Region nach…..und auch das Regime in Saudi-Arabien ist dann stark gefährdet. Mit niedrigen Ölpreisen können sie sich also noch eine Weile den Zuspruch der USA erkaufen…..aber auch das nicht dauerhaft…..

Fazit: die USA und Saudi Arabien haben aktuell gemeinsam das Ziel, den Ölpreis zu drücken.

Für Russland ist dies selbstredend katastrophal.

Sofern hier nicht umgehend die Chinesen einspringen, die russische Ölproduktion technologisch unterstützen und das Öl dann zu hohen Garantiepreisen abnehmen, droht Russland binnen weniger Jahren der Staatsbankrott!

Und dann wird es auch für Putin sehr eng. Aktuell gewinnt er noch an Zustimmung im Land, denn gegen einen so mächtigen Gegner wie den Westen zu punkten, gefällt dem Volk natürlich. Aber am langen Ende könnte sich der Wind auch in Russland drehen. Denn die Lebensbedingungen im Land werden sich ab sofort verschlechtern. Langsam aber sicher. Und aus dem derzeit noch gelebten Patriotismus wird dann ebenso schleichend der größer werdende Wunsch nach den Verlockungen des Westens. Und diesen Verlockungen kann dauerhaft kein Volk widerstehen.

-Aber:

Russland ist leidensfähig und die Bevölkerung mag die Unterdrückung

In Russland gehen die Uhren anders und um die aktuelle Situation zu verstehen, muss man sich in jedem Falle eins verdeutlichen: Der Russe an sich ist extrem leidensfähig! Und vermutlich auch leidenswillig!
Es ist ja nicht so, als hätte der Westen der russischen Bevölkerung nicht schon eindeutig klargemacht: bei uns würde es fast jedem von Euch besser gehen. Und fast jedes Volk dieser Erde hätte bei diesen Verlockungen schon längst gegen seine Regierung rebelliert und diese gestürzt. Denn eines ist eindeutig: Freiheit, Wohlstand sowie Recht und Ordnung bekommt man als Volk nicht geschenkt. Man muss sich das erkämpfen und erarbeiten. Historisch gesehen, lebt die russische Bevölkerung jedoch seit jeher unter der Knute. Ich bin zwar der Meinung, dass das System Putin in den letzten 14 Jahren viel erreicht hat. Dennoch ist es natürlich meilenweit von dem unseren entfernt. Davor gab es ca. 80 Jahre Dauerhaft in der Sowjetunion und davor die Zarenzeit. Vermutlich auch kein Zuckerschlecken für den russischen Normalbürger. Von noch früheren Zeiten ganz zu schweigen.

Jedenfalls lässt die Geschichte daher nur zwei Möglichkeiten zu. Entweder fehlt den Russen der Mut oder der Wille, ein freies Leben zu führen. Und das seit zig Generationen. Somit war und ist Russland ein geeignetes Land für totalitäre Systeme. Und fremde Nationen, die daran etwa ändern wollen, können auf keinen Fall auf die Mithilfe der Bevölkerung hoffen. Doch exakt diese Tatsache, dass der Russe sich eben anders verhält als ein anderes Volk in vergleichbarer Situation, wird im Westen zu wenig beachtet. Daher laufen einige Strategien des Westens stets ins Leere oder gehen gar nach hinten los.

-Russland wird weltweit als Bedrohung und die Bevölkerung als unsympathisch wahrgenommen

Über das weltweite Polit-Mobbing gegen Putin haben wir schon gesprochen. Aber auch der Durchschnittsrusse bzw. das gesamte Land gibt auf internationaler Ebene ein perfektes Ziel für negatives Gedankengut ab und ebnet so den Weg für die politische Isolation. Wenn das Verhältnis Russlands zum Rest der Welt verbessert werden soll, so bedarf es auch dringend eines Imagewechsels. Befragt man repräsentativ Menschen aus aller Welt über die Beliebtheit von Staaten und seiner Bürger, so rangiert Russland einschließlich der Russen in der Regel am unteren Ende der Skala. Dies hat viele Ursachen. Aber so lange diese nicht aktiv bekämpft bzw. verbessert werden, wird sich am Ansehen Russlands nicht viel ändern.

Deutschland, nach jüngsten Umfragen das beliebtestes Land der Welt, wird im Ausland extrem positiv wahrgenommen. Wir können uns oft gar nicht vorstellen, wie viele deutsche Firmen und Produkte jeder Mensch auf der Welt kennt und schätzt: Das sind bestimmt 1000 Firmen und Produkte etc. und das fängt bei Audi, AEG und Aspirin an, geht über Bayer, BMW und BASF so munter weiter bis hin zu Zalando. Von positiven Eigenschaften und bekannten Persönlichkeiten ganz zu schweigen.

Jedoch: wir haben uns das hart erarbeitet!!!

Nun – Russland hat sich seine Wahrnehmung sicher auch hart erarbeitet!!!

Jedoch: bei Russland kommt diese Wahrnehmung eher „einen Tick“ negativ rüber!

Bei Russland denkt man sofort an Wodka, Mafia, Gewalt, Lada, Kalaschnikow, Korruption, verfallene Infrastruktur, Misswirtschaft und politische Unterdrückung. Und kein einziges positiv bekanntes Unternehmen. Oder kennen Sie ein international bekanntes und positiv empfundenes russisches Unternehmen? Ich kenne keins! Also ich meine, kein Einziges!!!

Da könnte man Russland doch einen klitzekleinen Nachholbedarf attestieren, oder?

Dann:

Der Russe selbst gilt international ebenso als wenig freundlich. Sagen Sie z. B. einem Russen in einem internationalen Hotel ein freundliches Hallo, so geht er in der Regel wortlos an Ihnen vorbei, als wären Sie gar nicht da. Dieses international als extrem unfreundliche angesehene Verhalten hat jedoch eine einfache Ursache: Es ist in Russland extrem unüblich, fremde Menschen auf der Straße zu grüßen. Und selbst in einem russischen Geschäft ist die Stimmung zwischen Kunden und Verkäufer in etwa so wie bei der Essensausgabe in Alcatraz.
Dieses Verhalten ist für jeden Mitteleuropäer ein echter Schock, wenn er zum ersten Mal nach Russland kommt. Die fälschlicherweise erwartete sprichwörtliche offene russische Herzlichkeit existiert in Wirklichkeit gar nicht. In privatem Kreise schon! Wenngleich auch nicht so stark übertrieben, wie erwartet. In der Öffentlichkeit jedoch existiert ein Klima, das sich in etwa an den vorherrschenden Außentemperaturen orientiert. Frostig bis eisig. Dazu kommt, dass in Russland nur gelacht oder freundlich geguckt wird, wenn es einen triftigen Grund dafür gibt. Instrumentalisiert wird das Klischee vom bösen, unfreundlichen Russen auch in Hollywood.
In jedem großen Kinothriller sind die wirklich bösen Burschen in der Regel – Russen. Und ich meine nicht die intellektuellen Bond-Bösen, die oft über ein gewisses geniales Charisma verfügen, sondern die wirklich unsympathischen Typen.

Ob gewisse Dinge in Russland nun üblich sind oder nicht, international ebnet dieses Verhalten und die gesamte damit verbundene Wahrnehmung natürlich den Weg für Mobbing, Ächtung und Ausgrenzung.

Fazit:

Bei dieser Wahrnehmung sind Partnerschaften mit anderen Staaten natürlich schwierig.

Russland muss daher dringend sein Image aufbessern!!!

Anfangen würde ich mit gelebter Freundlichkeit gerade Fremden gegenüber – denn die sind es letztlich, auf deren Bewertung es ankommt. Wenn ich z. B. in die Emirate reise, dann informiere ich mich vorher über die Sitten und Gebräuche in einem islamischen Land und respektiere sie. Genauso könnten Russen im Ausland durch etwas offeneres Auftreten viel Eis in den international verkrampften Beziehungen brechen.
Und vor allem: Das geht schnell, kostet nichts und könnte von der Regierung Putin im Schnellverfahren „verordnet“ werden.

Die vermutlich noch schwerer wiegenden negativen Dinge, die man Russland zuschreibt, durch international bekannte, positive Produkte und Dienstleistungen zu ersetzen, dürfte da schon bedeutend schwerer fallen. Dafür muss die gesamte Industrie umgestaltet werden – und das dauert…..

Daher, als erste Schnelllösung: Ein Tick mehr offen gezeigte Herzlichkeit – auch und gerade in schlechten Zeiten – wird das Image Russlands international etwas anheben. Und somit wird es für Russlands Gegner schwerer, das Land zu isolieren.

-Kann Putin nicht einfach Abdanken oder sich freiwillig abwählen lassen?

Geld hat er ja genug und eine neue westtreue Regierung kann sich dann fortan mit den vielen Problemen herumschlagen.

Das wäre doch für alle die eleganteste Lösung.

Nein, das kann er aus persönlichen Gründen auf keinen Fall. Er würde von der neuen Oppositionsregierung umgehend verhaftet und vermutlich lebenslänglich eingesperrt.
Und das hätte dann auch nichts damit zu tun, ob er es in irgendeinem Sinne verdient hätte oder nicht. Schuld an diesem Ende wäre in diesem Fall wiederum der Westen. Der Westen hat in den letzten Jahren nichts unversucht gelassen, um Putin als kriminellen Diktator darzustellen. Und somit hätte eine neue, westlich gesinnte Regierung keine andere Wahl. Der Westen würde in jedem Fall Putins Kopf fordern und alle aktuell weniger mächtigen Politiker somit ihre Genugtuung erhalten.
Und – wie wir in Libyen und dem Irak gesehen haben: Hat der Westen erst einmal eine Person öffentlich der Schurkerei bezichtigt, so ist das Leben des ehemaligen Diktators nach dem Machtwechsel nichts mehr wert.
In Ägypten übrigens wurde Herrn Mubarak für die Aufgabe seiner Macht seinerzeit Straffreiheit versprochen, um ihn anschließend umgehend einzubuchten. So ähnlich würde es wohl auch in Russland laufen, wenn Putin eines Tages eine freie Wahl in einem für ihn ungünstigen Moment zulassen würde.
Auf Ehre in der Politik kann man sich heute eben nicht mehr verlassen.

Bis auf wenige Ausnahmen – z. B. Helmut Kohl – und – Vladimir Putin. Helmut Kohl hat bis heute sein Ehrenwort gehalten und die Namen der Spender nicht genannt.

Und Putin – gab damals Herrn Jelzin ebenso sein Ehrenwort. Boris Jelzin übergab die Macht damals nur unter dem Versprechen an Putin, dass er nach seiner Abdankung zu 100 Prozent in Ruhe gelassen wird. Und Herr Putin hat sich zu 100 Prozent an sein Wort gehalten.

Fazit:

So gesehen könnte man sagen: WIR, der Westen, verhindern freie Wahlen in Russland, weil wir Putin derart in die Ecke gedrängt haben, dass er freie Wahlen auf keinen Fall mehr zulassen kann. Das heißt, entweder wir ebnen Putin einen Weg, halbwegs gesund aus der Sache raus zu kommen oder wir zwingen ihn im Gegensatz dazu, sein Regime aus Selbstschutz immer totalitärer auszurichten.

-Russland ist Atommacht

Der Westen verhält sich gegenüber Putin ähnlich wie seinerzeit gegenüber Saddam Hussein oder Muammar al-Gaddafi. Man drängt den Kreml-Chef derart in die Ecke, dass es kaum noch einen Exit für ihn gibt. Vermutlich hat man den Drang der russischen Bevölkerung nach Freiheit, Recht und Ordnung gemäß unserem Vorbild stark überschätzt. Und jetzt hat man ein Problem. Man hat den Tiger zwar angeschossen, aber nun ist er umso gefährlicher. Militärisch konnte man zwar den Irak bezwingen, aber mit Russland geht das nicht. Russland verfügt vermutlich über die zweitstärkste Armee der Welt. Und diese ist im Gegensatz zu z. B. unserer Armee sogar einsatzfähig. Und dazu kampfeswillig!
Vladimir Putin ist eben schlau. Während wir bei uns den eigenen Militär- bzw. Polizeiapparat immer weiter schwächen, so dass in manchen deutschen Städten schon von latenter Straßenanarchie gesprochen werden kann, hat Putin Polizei und Militär gestärkt. Somit kann er jederzeit für exakt die Menge an Recht und Ordnung sorgen, die ihm gerade lieb ist.

Das heißt, ab einem gewissen Punkt war also klar, dass der Westen bei seinem Feldzug gen Osten bei Putin auf Granit beißt. Und, es muss klar sein – auch ein Atomkrieg ist möglich, wenn der Westen Putin keine andere Wahl lässt und ihm immer weiter das Wasser abgräbt. Logisch – wer nichts mehr zu verlieren hat, kann auch auf das Knöpfchen drücken. Hussein und Gaddafi hätten das vermutlich auch gemacht, sie konnten es aber nicht. Bei Putin ist das anders – er kann!

-Der Krieg hat jedoch schon längst begonnen.

Wer also denkt, der schlaue Westen will keinen Krieg mit ungewissem Ausgang provozieren, liegt in jedem Fall falsch. Denn der Krieg hat schon längst begonnen. Wenn man 1 und 1 zusammenzählt, dann führen wir schon heute einen Angriffskrieg gegen Russland.
Wenn man die Dinge so sieht, wie sie sind, dann gilt folgendes:

Die NATO hat den Westteil der Ukraine erobert und annektiert. Russland hat den Ostteil der Ukraine erobert und annektiert. Klingt fair.

Eigentlich sollte es daher keine Kämpfe mehr in der Ukraine geben. Aber diese gehen munter weiter. Ukrainische Truppen kämpfen noch immer im Osten gegen die Separatisten.
Doch das bedeutet faktisch, dass imaginäre NATO-Truppen auf imaginäres russisches Gebiet vordringen und dort gegen imaginäre russische Soldaten kämpfen. Und das ist praktisch ein Angriff der NATO auf Russland.
Natürlich wird jeder Politgast in einer der vielen Fernsehtalkshows dazu argumentieren, es sei das absolute Recht der ukrainischen Armee dort tätig zu werden und alles sei die Schuld Russlands.
Aber realistisch gesehen, ist es genau wie ich sagte und die ukrainische Armee hat im Ostteil des Landes nichts mehr verloren. Das ist eben der Preis, den die West-Ukraine für ihren West-Kurs bezahlen muss.
Im Umkehrschluss würde ich ein Vordringen der Separatisten in den Westteil des Landes ebenso als Angriffskrieg von Russland gegen die NATO bezeichnen.

Aus diesem Grund sollte der Westen von der Ukraine verlangen, sich militärisch aus dem Ostteil sofort zurückzuziehen. Dann gäbe es umgehend Frieden, zumindest für eine Zeit. Denn sonst droht eine Verschärfung des Krieges mit Russland. Und ich weiß nicht, ob wir uns von unseren neuen Kiewer Partnern in so etwas hineinziehen lassen sollten.

-Mögliche Lösungen

Nachdem wir nun einige Punkte der gesamten Problematik angesprochen haben, sollten wir uns nun ein paar Lösungsvarianten einfallen lassen.

-Die elegante Lösung ohne Putin

Wir haben festgestellt, dass Putin nicht so einfach seine Ämter aufgeben kann, ohne dabei seine eigene Sicherheit zu gefährden. Somit müsste es in jedem Fall eine Art goldenen Fallschirm für ihn und seine Getreuen geben. Am praktischsten wäre ein Exil in China. Man müsste ihm gestatten, den Großteil seiner Finanzen mitzunehmen. Er könnte dort weiter unternehmerisch tätig sein bzw. auch das eine oder andere politische Amt innehaben. Ich bin sicher, dass er seine politischen Erfahrungen in China, die ja ein ähnliches, eher totalitäres Regime haben, einbringen kann.
Als Gegenleistung für dieses Exil, das dann natürlich gleichzeitig ein nach Europa abwanderndes Russland bedeutet, müsste man China langjährige Lieferverträge für diverse Rohstoffe anbieten.
Mit dieser Lösung wären zunächst alle zufrieden. Herr Putin selbst hätte seine Gewinne realisiert und ist persönlich aus dem Risiko. China bekommt das, was es ohnehin nur von Russland wollte, der Westen jubelt, dass der böse Herr Putin abdanken musste und auch die USA könnten strategisch damit gut leben, denn: der Endgegner China wird nicht übermäßig gestärkt und Russland insgesamt eher geschwächt. Denn auf Putin wird in Russland zunächst das Chaos folgen. Wie in fast jedem Land, das der Westen zuletzt befreit hat. Denn eine Frage können weder Obama noch Frau Merkel beantworten: wer außer Putin kann in Russland halbwegs für Ordnung sorgen? Etwa die Opposition? Die wird sich ebenso wie Putin erst selbst die Taschen füllen. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass auf den alten Putin ein neuer folgen wird, oder mehrere – und womöglich wird man sich dann auch im Westen nach den heutigen Zeiten zurück sehnen. Folgerichtig müssten gleichzeitig nach Putins Abdankung internationale Truppen nach Russland geschickt werden, die dann dafür sorgen, dass alles auch so läuft, wie gewünscht. Und das ist utopisch.

Fazit: diese Lösung klingt zwar zunächst verlockend, ist aber extrem unwahrscheinlich, denn Putin würde dem nicht zustimmen. Zumindest noch nicht. Dass der mächtigste Mann der Welt freiwillig ins Exil geht und sein Land zum Wohle der Bevölkerung an den Westen verkauft, wäre auch ein weltweites Novum.

-Die Dinge einfach weiterlaufen lassen.

Die Dinge einfach weiterlaufen zu lassen, ist auch eine Option. Sie enthält naturgemäß ein breites Spektrum an Möglichkeiten – aber auch eine Menge, zum Teil sehr hoher Risiken. Die größte Gefahr ist natürlich eine Ausweitung des Krieges, den wir ja bekanntlich schon führen. Am Ende will das niemand und vor allem will auch keiner Schuld gewesen sein, aber es wäre nicht das erste Mal, dass zwei Mächte einfach in einen Krieg hineingeraten. Historisch könnte man zwar sagen, dass ein großer Krieg statistisch schon lange überfällig ist, aber vermutlich sind die meisten doch froh, wenn es sich noch ein Weilchen vermeiden lässt.

Vermutlich würde sich die Spannung mit der Zeit lösen und die Dinge normalisieren sich – vorübergehend. Die Krim bleibt russisch und jeder Jäger streift sich seinen Teil des restlichen ukrainischen Bärenfells über und geht seiner Wege. Die Rhetorik legt sich und man geht zur Tagesordnung über. Das Grundproblem Ost gegen West wäre dann aber noch immer nicht gelöst und die Konfliktparteien würden sich auf jede sich bietende Gelegenheit stürzen, um das Feuer erneut zu entfachen. Wenn die Verwestlichung des russischen Marktes das Ziel ist, so wäre der Westen auch der erste Verlierer einer Entspannung. Immerhin hätten die USA einen Teilsieg erreicht, in dem sie Russland als echten Partner Europas und somit als echte Gefahr ihrer eigenen Partnerschaft zu Europa auf Jahre hinaus unmöglich gemacht hätten. Und auch den aktuellen Trend Russlands Richtung China hätte man auf diese Weise ebenso zumindest geschwächt.
Für Deutschland wäre diese leichte Entspannung des Konflikts latent positiv. Die geschwächten Wirtschaftsbeziehungen zu Russland könnten wieder leicht anziehen, aber viel mehr ist auch nicht drin.

Fazit: die wahrscheinlichste Lösung. Damit wird zwar nichts Zählbares erreicht und die Probleme nur verschoben, aber Handeln ist schon lange nicht mehr internationaler Standard. Und bei dieser Variante können alle Verantwortlichen genau das tun, was sie am liebsten machen – quatschen.

-Die elegante Lösung mit Putin

Wenn der Westen Russlands Markt erobern will, dann braucht er eigentlich Putin. Wir haben schon erörtert, dass das russische Volk mit etwas härterer Hand regiert werden will, als das in Westeuropa der Fall ist. Wer in diesem Land die notwendigen Reformen einleiten will, die wir letztlich brauchen, um dieses Riesenland mit unserem System zu überschwemmen, braucht hierzu die absolute Autorität. Und der einzige Mann, der dies garantieren könnte, wäre Vladimir Putin. Man müsste also nur auf Putin zugehen und ihm z. B. Beitrittsverhandlungen zur EU anbieten. Natürlich im Gegenzug für notwendige Reformen. Denn derzeit sind unsere Systeme nur wenig kompatibel. Und jegliche Reformen könnte Putin in Russland in einer Geschwindigkeit umsetzen, die für uns nicht vorstellbar wäre. Grundsätzlich denke ich, dass Putin zu einer solchen Lösung bereit wäre. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er sich freiwillig für China entscheiden würde, wenn wir ihn nicht dazu drängen würden.

Durch einen solchen Schritt gäbe es vermutlich einen Jahrzehntelangen Boom – und vor allem Deutschland würde als wichtiger Partner enorm von der schier unendlichen Aufbauarbeit, die dort auf uns wartet, profitieren.

Russland profitiert ebenso und Putin könnte sich in der Tat zum Zaren krönen lassen. Wäre er doch der erste russische Herrscher, der dann wirklich etwas Zählbares für sein Volk getan hätte. Dieses Denkmal wäre ihm sicher. Auf diese Weise hätte er auch sein persönliches Risiko in eine persönliche Chance verwandelt – wo ist so etwas sonst möglich?

Dass China nicht begeistert wäre, liegt auf der Hand, sollte uns aber zunächst nicht davon abhalten. China hat letztlich genug mit sich selbst zu tun und wird seinen Weg gehen.

Bleiben die USA. Die müssten natürlich zustimmen. Wie schon erwähnt, ist ein direkter Schulterschluss zwischen der EU und Russland für die USA ein hohes Risiko. Hier könnte eine neue Supermacht heranwachsen und wer möchte das auf der US-Seite schon riskieren.

Diese berechtigten Sorgen müssen natürlich beachtet werden. Eine Möglichkeit wäre ein potentieller Betritt Russlands selbst zur NATO. Auf diese Weise könnten alle 3 Blöcke USA, EU und Russland auch militärisch eine engere Einheit werden. Dagegen spricht natürlich die Grundlogik von Militärbündnissen. Denn solche benötigen adäquate Gegner, um selbst existieren zu können. Fallen diese durch ein Bündnis weg, sucht man sich umgehend ein neues Feindbild. Und dann bliebe nur noch China übrig, was unweigerlich neuen Ärger ins Haus bringt.

Fazit: im Grund die attraktivste Lösung. Und auch eine weitreichende. Daher könnte ich mir dies langfristig sogar vorstellen. Es muss auch nicht offiziell laufen. Ähnlich wie in der Cuba-Krise könnten die Schritte nach und nach erfolgen, also ohne direkt erkennbaren Zusammenhang. So könnte auch ein jeder sein Gesicht wahren.
Leider denke ich jedoch, dass die Bedenken der USA zu groß sind. Wer verhilft schon gerne seinem Lieblingsfeind zu Glanz und Gloria – das bedarf einer Größe, die nur selten anzutreffen ist.

-Gesamtfazit

Vermutlich wird man die Dinge also zunächst weiterlaufen lassen. Die große Lösung mit Putin ist aber eine echte Option, die ohne ihn eher weniger.

-Ärger gibt es immer

Wir in Europa und auch gerade in Deutschland sind in einer schwierigen Situation. Mit den USA sind wir in der Vergangenheit bestens gefahren. Daher sind wir auch prinzipiell zu Dank und Gehorsam verpflichtet. Dennoch sollten wir uns weder von der Ukraine in einen Krieg gegen Russland hineinziehen, noch von den USA zu einem wirtschaftlichen Konfrontationskurs mit Russland nötigen lassen. Denn, wenn es in der Tat in Zukunft zu einem stärkeren Europa incl. Russland kommen würde – auch um den Preis, dass die USA eventuell etwas dagegen haben – so sollte uns das doch eher freuen, als uns davor zu fürchten. Solange diese Welt noch nicht zu 100 Prozent globalisiert und einer Einheitsregierung unterworfen ist – was bestimmt noch 50 bis 150 Jahre dauern könnte – so lange wird es auch Ärger geben. Das muss man akzeptieren und mutig, bestimmt und besonnen handeln.

Die Dinge einfach laufen zu lassen, halte ich dagegen für falsch.

-Die russische Börse…..

…..das hatte ich ja fast vergessen. Strategisch ist die russische Börse daher in jedem Fall ein Kauf. Ob schon heute oder morgen, kann ich nicht sagen, aber auf lange Sicht schon.

Weil: es gibt im Prinzip nur 3 wahrscheinliche Szenarien. Entweder Russland rauft sich mit der EU zusammen und es geht wieder aufwärts in Russland. Oder – es rauft sich mit China zusammen und es geht aufwärts in Russland. Oder – es fällt alles in Schutt und Asche. Aber dann gibt es auch stets Möglichkeiten, da wieder raus zu kommen.

Fazit:

Bei 3 Möglichkeiten, hat man 2,5 Treffer. Das ist strategisch extrem lukrativ.
Kaufen sollte man aber besser nichts im Öl- und Energiesektor – eher in Branchen, die nicht vom Öl-Krieg betroffen sind.

Und das Beste ist:

Fast die gesamte Welt hasst Russland aktuell!

Ob zu recht oder nicht, hat uns nicht zu interessieren. In jedem Fall jedoch, sind die Preise für Aktien in Russland deshalb massiv gedrückt. Und das sind genau die Zeiten, in denen man Aktien kaufen sollte. Risiken bleiben – aber die gibt es immer…

Bleibt noch das Problem mit dem Rubel – aktuell sicher nicht als Hartwährung bekannt.

Wussten Sie übrigens, dass unter dem bösen Putin der Kurs des Rubel vom Jahr 2000 bis Mitte 2013 relativ stabil bei ca. 30 Rubel pro $ notierte? Eine unglaubliche Leistung für ein traditionelles Weichwährungsland und ein Balsam für die russische Bevölkerung. Und erst jetzt – nach diversen Turbulenzen in Politik, Wirtschaft und an den Ölmärkten – ist der Rubel schnell auf aktuell 55 Rubel pro $ abgerutscht, sehr zum Leidwesen selbiger Bevölkerung. Sollte es hier zu einer Stabilisierung der Lage kommen, so könnte es einen erneuten Anstieg auf zumindest 40 Rubel pro $ kommen – ein Plus von ca. 30% allein auf der Währungsseite!

Natürlich – Sie kennen das, kann es auch anders laufen.

Wir werden sehen…

Henry Littig

Geschrieben von Henry Littig